Vortrag: „HyperMedia Communication Designer. Über die Gestaltung des virtuellen Wissens“

Vor kurzem gab es an der Uni Hamburg im Rahmen der Ringvorlesung „Medienkompetenz – digitale Medien in Studium, Lehre und Beruf“ von Dr. Harald Krämer einen Vortrag zum Thema „HyperMedia Communication Designer. Über die Gestaltung des virtuellen Wissens“. Da der Inhalt meines Erachtens hervorragend zu unserem Seminar passt bin ich so frei, die Lecture2Go-Videoaufzeichnung des Vortrages hier einzubetten und zusätzlich die Punkte darzulegen die ich mir während des Betrachtens notiert habe (auch wenn die Relevanz für andere etwas zweifelhaft sein mag).

Zunächst das Video:

Zur Quelle auf Lecture2Go.de.

Meine Notizen zu dem Vortrag:

Am Anfang gab es ein kleines Spiel, das mit einem Freiwilligen (Martin Kriszat – zuständig für Projektleitung, Aufnahme- und Postproduktionstechnik bei Lecture2Go) durchgeführt wurde. Dieses Spiel diente zur Veranschaulichung des kleinsten gemeinsamen Nenners sämtlicher Computerspiele. Als „Spieler“ durchlebt man verschiedene Phasen, bis man irgendwann frustriert ist, bzw. die Lust am Spiel verloren hat. Im Verlauf des Spiels verändert sich die eigene Funktion, man gerät von der Rolle des Spielers in die Rolle des Produzenten – man erkennt wie das Spiel funktioniert und worauf es abzielt.

Ausgehend von vorhandenen musealen multimedialen Gütern, die es seit Beginn der 90er Jahre gibt stellt sich folgende Frage: Wie entwickelt man Bewertungs- und Kategoriesierungen dieser multimedialen Werke?

Was ist Hypermedia?
Es vereint verschiedene Formen von digitalisierten und digitalen Medien in Form von Ton, Film, Bild, Text und computergenerierten Animationen und verknüpft diese durch Hyperlinks und Knoten.
„Hypermedia ist als umfassendes Konzept zu verstehen, das Hypertext mit Multimedia kombiniert.“ (Eibl, 2000)

Dadurch, dass die multimedialen Werke von Museen in der Regel auf CD-Roms oder DVDs zur Verfügung stehen und an die Software, die auf diesen Medien gespeichert ist, bestimmte Systemanforderungen gestellt werden, besteht die Gefahr der zunehmenden Verweigerung des Zugriffs – z.B. was das Betriebssystem, die Software oder Datenbanken auf dem jeweiligen PC betrifft. -> CD-Roms sind Auslaufmodelle und fehleranfällig.

Hypermedia-Anwendungen sind angewandte Kunst.

Wie könnte man die Inhalte (inkl. der Verlinkungen etc.) typologisieren?
Hypermedien sind dialogisch (sie funktionieren nicht nur asynchron, wie z.B. das Fernsehen)
Es geht bei ihnen auch um die Erzeugung neuer Informationen (z.B. nicht nur um die 1:1 Reproduktion eines Museumsbesuchs)

Je früher man die Gestaltung des hypermedialen Rahmens bei der Erstellung von Medien mitberücksichtigt, desto eher werden Inhalt, Navigation, Dramaturgie und visuelles Erscheinungsbild berücksichtigt.

Zur den Ebenen der Informationsarchitektur:
– Gelungene Hypermedia-Navigation bildet den Inhalt nicht nur ab, sondern ist zugleich Inhalt.
– Es ist vorteilhaft, wenn Inhalt und Navigation miteinander identisch sind.
– Die Grenzen zwischen Visual/Interface/Screen/Graphic Design sind fließend und alle partizipieren voneinander.
– Sound spielt bei Hypermedia eine grammatikalische Rolle, um einzelne Geschichten in ein gesamtes Übergeordnetes einzubinden.

„Vermittlungsparadoxie der Medienkunst“
– Man kann sich nicht darüber unterhalten, wenn man die Medienkunst nicht sieht – Standbilder (z.B.) vermitteln das Erlebnis nicht.

Strategien zur Gestaltung von Dramaturgien:
– edukativ (=Hauptzweck von kulturellen Themen)
– narrativ
– informativ
– explorativ
– ludisch

Inhaltliche Botschaften
– Es gibt teilweise versteckte Botschaften in den hypermedialen Medien, die die reinen Ausstellungsobjekte nicht vermitteln (z.B. Spendenaufrufe)

Beispiel: Vienna Walk 1998 (war auch schonmal Thema im Vortrag „Web & Video“ von Jan-Torge Claussen, siehe hier)
– Echte Interaktion im soziologischen Sinne (z.B. man kann direkt aus dem Video heraus eine Email verschicken)

Visuelle Grammatik
– Aneinanderreihung von Schlüsselszenen

Pendantsystem
– Inszenierung in Gemäldesammlung des 19. Jh (ein Zentralwerk – andere Werke wurden darum herum zur Schau gestellt).

„ein wirklich gutes produkt zeigt sich so, wie es ist.“ (otl. aicher 1991 – Welt als Entwurf)

Die CD-Rom ist ein Medium, das noch nicht ganz tot ist.

YouTube Hackers

Davon hab ich vor einiger Zeit schonmal berichtet, hier jetzt der Link dazu (Das letzte Video von Kriechhund hat mich wieder daran erinnert):

Es geht darum, dass eine Person in die Youtube-Channel verschiedener anderer Nutzer „einbricht“. Die gezeigten Youtube-Channel existieren tatsächlich, genauso wie die gezeigten Videos. Der Protagonist hat sich also per Video-Postproduktion in andere Videos hineingeschnitten. Desweiteren gibt es verschiedene aufeinander aufbauende Folgen, die untereinander verlinkt sind (was spätestens ab dem zweiten Video deutlich wird). Inhaltlich mag man davon halten was man will, aus der dahinterliegenden Idee und Umsetzung könnte man eine Menge machen denke ich…

5 Sekunden (ca.) – Das Internet als Netz + Roboter saugt Staub

Inhaltlich ziemlich misslungen, aber wie es gemacht wurde ist evtl. interessant: Ich hab dabei eine (auf die schnelle gebastelte) Prezi-Präsentation mit einer Screencast-Software abgefilmt.

Ein Roboter saugt Staub (einfach abgefilmt und unbearbeitet hochgeladen):

Web3.0 – Medienmix – eLearning

Die Anforderung: Ich soll mir 3 Schlagworte überlegen, die meine Interessen widerspiegeln. Davon sollen zwei einen Bezug zum Seminar haben, das dritte darf aus dem Rahmen fallen. Genauso wie die Schlagworte intuitiv und ohne langes Überlegen entstanden sind, sind meine Ausführungen zu den Schlagworten kein Ergebnis langer Gedankenprozesse, sondern eher 1:1 Niederschrift des Gedankenprozesses.

Meine Schlagworte:

1. Web 3.0
Wie sieht das Internet von morgen aus? Vielleicht sollte man sich dafür zunächst das Internet von gestern ansehen. In den letzten Jahren hat eine Professionalisierung des Internets stattgefunden. Während in der Anfangszeit (Ende der 90er Jahre) doch ein Piratentum verbreitet war und staatliche Überwachungs- und Kontrollinstrumente, wie auch die Professionalität von Marketingmethoden der Unternehmen noch nicht ausgereift waren, hat sich mittlerweile die persönliche Präsenz als reale Person anstatt als Pseudonym durchgesetzt. Das Internet ist inzwischen weniger parallele Realität als vielmehr Erweiterung unseres Alltages. Letztlich habe ich natürlich keine Ahnung wie das Internet von morgen aussehen könnte, aber ich vermute, dass sich dieser Trend zur Professionalisierung fortsetzt. Auch denke ich, dass sich das Kriterium „interessant“ weiter und noch stärker als Garant für den Erfolg von einzelnen Internettrends festigt. Was es mit diesem Kriterium auf sich hat, kann man im Podcast von Alternativlos.org, Folge 20 nachhören.  

2. Medienmix
Texte, Bilder/Grafiken sowie Audio- und Videoinhalte sind die Medien, mit denen man im Internet konfrontiert wird. Was es beispielsweise noch nicht gibt sind Düfte, Geschmack und Tastgefühle. Videos sind in der Internet-Medienlandschaft etwas besonderes, weil sie schon in ihrer Reinform auch Elemente aller weiteren Medienarten beinhalten. Medien sollen laut Wikipedia Inhalte vermitteln. Die Inhalte dürften dafür ausschlaggebend sein, welches Medium die erfolgreichste Vermittlung ermöglicht, aber auch die Zielgruppe der Inhalte bestimmt welches Medium besonders geeignet ist.

In der Universität hat man ja ständig mit Präsentationen zu tun, in der Regel erstellt mit Microsoft Powerpoint. Wie genial wäre es, wenn es Lehrenden gelänge sich aus allen zur Verfügung stehenden Medien genau die Medien, genau in der richtigen Art und Weise zu bedienen um Wissen mit höherer effizienz zu vermitteln. PowerPoint-Folien mit jeweils 10 Bulletpoints und jeweils 2000 Wörtern Text sind wohl in der Regel nicht der richtige Ansatz dafür.

Im Internet ist das an vielen Stellen genauso. In Blogs liest man in der Regel. Natürlich gibt es auch Bilder und Videos und Sounds, aber es ist garnicht so einfach diese zu erstellen und richtig zu dosieren. Dazu kommt, dass Video- und Geräuschinhalte in der Regel nicht durch Suchmaschinen indiziert werden können. Das dürfte mit ein Grund sein, warum sich Flash-Websites, die eine Zeit lang sehr verbreitet waren, nicht durchgesetzt haben. Trotzdem: Beim Joggen in der Stadt möchte man vielleicht auf seinem tragbaren Musikplayer gerne einen Audio-Podcast hören, wie sollte man hier auch einen Blogbeitrag lesen. Genauso im Auto. Im Büro sind vielleicht textlastige Medien die richtige Wahl, wenn man nicht gerade alleine ist, die durch Video- und Audiodateien verursachten Geräusche also niemanden stören.

3. eLearning
eLearning ist ein Thema, welches mich insbesondere in den letzten Monaten sehr intensiv beschäftigt hat, unter anderem beruflich. Auch durch meinen Wechsel von der LMU München zur Universität Hamburg ist dieses Thema für mich stärker in den Fokus gerückt, denn in München wurde ich mit eLearning garnicht konfrontiert, die Nutzung des Internets beschränkte sich im universitären Alltag darauf, passwortgeschützte PDF-Dokumente downloaden zu können. Von universitären online-Diskussionsforen, Aufzeichnungsplattformen wie Lecture2go, oder gar Ansätzen für eAssessment gab es für mich in München nicht den Ansatz einer Spur.

Es wird wohl (zum Glück?) niemals ein Produkt geben, dass man sich zur Wissensaufnahme zuführt um sämtliche eigene Bemühungen überflüssig zu machen. Dennoch kann man das eigene Lernen unterstützen und vereinfachen indem man sich vorhandene Technologien zunutze macht und richtig einsetzt. Frontalunterricht ist noch heute im deutschen Bildungssystem der Standard, das ändert sich hoffentlich. Sinnvolle Einsatzmöglichkeiten von „eLearning“, dass in meinen Augen nicht nur eine Technik, sondern auch eine Methode (mehr Partizipation der SchülerInnen/StudentInnen, vielleicht sogar bis hin zur selbstverständlichen eigenständigen Durchführung der Wissensvermittlung unter Anleitung) beschreibt, warten an jeder Ecke, aber nicht nur mangelhafte Kompetenzen im Umgang mit neuen Medien, sondern auch teilweise unbegründete Ängste halten Lehrende davon ab, den Schritt vom Overheadprojektor hin zu einem reichhaltigem Lern-Mix zu wagen.

Was in diesem Zusammenhang ironisch erscheint, ist die Tatsache, dass der Schritt weg von eingeengten Studierenden, die sich nur berieseln lassen, hin zu Teilhabende des Bildungssystems, die nicht nur Wissen aufnehmen, sondern auch selbst produzieren, durch Sparmaßnahmen und die Überflutung mit ErstsemesterInnen aufgezwängt vonstatten geht! Die Lektüre dieses SZ Artikels dürfte den Hintergrund dieser Behauptung verdeutlichen.

Abschließend möchte ich noch ein Video einbinden, dass viele der Aspekte die ich unter den verschiedenen Schlagworten angesprochen habe vereint, ich denke viel mehr muss ich dazu nicht schreiben:

Michael Karbacher